Redaktionelle Arbeit – Hochschule Hannover

FORSCHUNGSARBEIT AN DER HOCHSCHULE HANNOVER
Diese Arbeit entstand vollumfänglich an der Hochschule Hannover – Rechte der Aufgabenstellung und des Arbeitsumfang lieg gänzlich bei der Hochschule Hannover.
Urheberrecht für mögliche verwendete Begriffe liegen bei BOSCH – (Begriffe aus Ursprungsanleitung paraphrasiert)
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Verwendete Software: Schema ST4 (© 2026 Quanos Solutions GmbH)

Mitwirkende dieser Forschungsarbeit waren:
Kevin Simon – Hochschule Hannover
Louis Amelung – Hochschule Hannover
Jan Dirk Hunold – Hochschule Hannover

In meinem Studium ITR (Informationsdesign und technische Redaktion) an der Hochschule Hannover lernen wir die vielfältige Arbeit eines Technischen Redakteurs. Das Herzstück dieser Arbeit ist die Erstellung von Informationsprodukten nach industriellen Standards. In diesem Projekt lag der Fokus auf der praktischen Umsetzung dieser Prinzipien innerhalb eines professionellen Redaktionssystems.

Im Rahmen des Moduls Redaktionssysteme wurde eine bestehende, linear aufgebaute Betriebsanleitung exemplarisch in ein modulares, XML-basiertes Informationsmodell überführt. Ziel war es, Inhalte nicht mehr dokumentzentriert, sondern als wiederverwendbare Informationsbausteine zu erfassen und diese mithilfe eines Variantenmanagements zielgruppenspezifisch zu publizieren. Als Werkzeug kam dabei das CCMS SCHEMA ST4 zum Einsatz.

Projektziel und Aufgabenstellung

Die Aufgabe bestand darin, ausgewählte Teile einer bestehenden Betriebsanleitung (Betriebsanleitung eines E-Pedelecs eines großen deutschen E-Bike Herstellers) zu analysieren, neu zu strukturieren und gemäß dem Single-Source-Publishing-Prinzip aufzubereiten. Dabei sollten unterschiedliche Ausstattungsvarianten sowie Zielgruppen berücksichtigt werden, ohne redundante Inhalte mehrfach pflegen zu müssen.

Im Mittelpunkt standen folgende Fragestellungen:

  • Wie lassen sich lineare Inhalte sinnvoll modularisieren?
  • Welche Granularität ist notwendig, um Varianten sauber abzubilden?
  • Wie können Inhalte semantisch ausgezeichnet werden, sodass sie medien- und kontextunabhängig wiederverwendbar sind?

Methodisches Vorgehen

Zu Beginn wurde eine eigene Informationsarchitektur entwickelt, da sich die Struktur der Originalanleitung nicht direkt für eine modulare Umsetzung eignete. Inhalte wurden thematisch gegliedert und in logische Knoten überführt, beispielsweise in Bereiche wie Inbetriebnahme, Wartung oder Störungsbehebung.

Ein besonderer Fokus lag auf der Granularität der Module. Inhalte zu unterschiedlichen technischen Ausstattungen (z. B. verschiedene Schalt- oder Ventilsysteme) wurden bewusst getrennt erfasst, um sie später über Filter gezielt ein- oder auszublenden. Dadurch konnten individuelle Dokumentversionen erzeugt werden, ohne Inhalte zu duplizieren.

Beispiel für modulare Ordnerstruktur in Software Schema ST4©

Variantenmanagement und Zielgruppensteuerung

Das Variantenmanagement bildete den Kern des Projekts. Über definierte Merkmale wie Ausstattung oder Zielgruppe wurden die Inhalte in SCHEMA ST4 attribuiert und in einer Variantenmatrix überprüft. Diese Matrix diente als Kontrollinstrument, um sicherzustellen, dass nur die jeweils relevanten Module in einer Publikation erscheinen.

So konnten beispielsweise vereinfachte, handlungsorientierte Inhalte für Laien von detaillierteren, technisch orientierten Informationen für Servicepersonal getrennt werden. Die finale Zusammenstellung der Inhalte erfolgte über sogenannte „Dokumentvorgaben“, aus denen unterschiedliche PDF- und HTML-Versionen generiert wurden.

Beispielhafte Modulmatrix zum Management der Dokumentversionen

Technische und redaktionelle Herausforderungen

Die Arbeit mit einem professionellen Redaktionssystem unterscheidet sich deutlich von der klassischen Dokumenterstellung mit Textverarbeitungsprogrammen. Eine der größten Herausforderungen bestand im Umdenken von Seiten hin zu Modulen. Inhalte werden nicht mehr für ein einzelnes Dokument geschrieben, sondern müssen in verschiedenen Kontexten funktionieren.

Besonders komplex war die Bearbeitung tabellarischer Inhalte, da diese eine hohe strukturelle Genauigkeit erfordern. Zudem zeigte sich, dass bestimmte wiederkehrende Informationsmuster – etwa Fehlercodes oder einzelne Handlungsanweisungen – semantisch besser durch spezialisierte Elemente abgebildet werden könnten. Daraus ergaben sich konkrete Vorschläge zur Erweiterung der zugrunde liegenden DTD, um die redaktionelle Arbeit langfristig zu erleichtern.

Zusätzliche DTD Definition

<!ELEMENT table_fehlcodes (thead, tbody)>

<!ELEMENT thead (tr)>
<!ELEMENT tbody (tr+)>

<!ELEMENT tr (th+, td+)>

<!ELEMENT th (#PCDATA)>
<!ELEMENT td (#PCDATA)>

<!ATTLIST table_fehlcodes
          class CDATA #FIXED "Fehlercodes">

Die semantische Struktur der Tabelle ist dabei fest vorgegeben und sieht folgende Kopfzeilen vor:

  • <th>Code</th>
  • <th>Beschreibung</th>
  • <th>Lösungsansatz</th>

Dadurch wird sichergestellt, dass Fehlercode-Tabellen innerhalb der Anleitung einheitlich aufgebaut sind und eindeutig als solche erkannt werden können. Gleichzeitig erleichtert diese semantische Spezialisierung sowohl die Wiederverwendung der Inhalte als auch die gezielte Verarbeitung in unterschiedlichen Ausgabeformaten.

Erkenntnisse und Mehrwert

Das Projekt hat deutlich gemacht, dass technische Redaktion weit über das Schreiben von Texten hinausgeht. Zentrale Kompetenzen sind:

  • Analytisches Denken in Informationsstrukturen,
  • Saubere semantische Auszeichnung,
  • Strategische Planung von Varianten und Wiederverwendung.

Gleichzeitig wurde sichtbar, dass Redaktionssysteme wie SCHEMA ST4 ihre Stärken insbesondere bei komplexen Produkten und umfangreichen Dokumentationslandschaften entfalten. Der initiale Mehraufwand zahlt sich durch Konsistenz, Wartbarkeit und Skalierbarkeit der Inhalte aus.

Fazit

Dieses Projekt stellte eine praxisnahe Verbindung zwischen theoretischen Konzepten der Modularisierung und der realen Arbeit in einem industriell eingesetzten Redaktionssystem her. Es hat mein Verständnis dafür geschärft, Informationen nicht als statische Texte, sondern als strukturierte, nutzungsorientierte Daten zu begreifen. Diese Denkweise bildet eine zentrale Grundlage für moderne technische Kommunikation – sowohl im Printbereich als auch für digitale Informationssysteme.